„Da hat Herr Scheffel etwas dazu gedichtet“

Joseph Victor von Scheffel als bildender Künstler

Stadtmuseum Weimar

21. November - 1. Februar 2015


Ab 1857 schreibt Joseph Victor Scheffel an dem Wartburg-Roman "Viola Argentea" im Auftrag des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. In den Handlungsrahmen des dritten Kreuzzugs (1189–1192) flicht Scheffel die persönlichen Erlebnisse des fiktiven Ritters Gottfried „Juniperus“ von Neuenhewen ein. Diese führen thematisch zu Siegfried und dem Nibelungenlied, mit dessen Handschrift C Scheffel ab 1857 als Bibliothekar in Donaueschingen in Berührung kommt.
Das erhaltene Manuskriptfragment zu Scheffels Wartburg-Roman umfasst insgesamt 3699 Blätter. Ende 1860 legt er das Projekt aufgrund der Materialfülle nieder. Datierungen beweisen jedoch, dass Scheffel bis 1878 inoffiziell daran weiter arbeitet. Mit hunderten an Skizzen verbildlicht Scheffel die Handlung durch Landschaften, Personen und Kostüme, sowie kompletten Szenenbildern, die die Geschichte im Sängerkrieg 1206/07 auf der Wartburg enden lassen.
1863 veröffentlicht Scheffel aus diesem Kontext herausgelöst die Textsammlung "Frau Aventiure", deren Hauptteil die Geschichten der Wartburg-Sänger bilden. Illustriert wird sie durch den Maler Anton von Werner, dessen elf Originalaquarelle sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und sechs weitere nahezu identische sich in der Kunstsammlung der Wartburg-Stiftung befinden. Scheffel liefert hierzu dem Künstlerfreund eigene Zeichnungen als Vorlagen. 1867 erscheint die Geschichte des Kreuzritters "Juniperus" mit Bildern Anton von Werners, 1868 der Gedichtband "Gaudeamus", 1870 die "Bergpsalmen" und 1874 "Der Trompeter von Säckingen". Der illustrierte Mittelalterroman "Ekkehard" wird aufgrund des hohen Arbeitspensums Werners, der 1870 Bildberichterstatter im Deutsch-Französischen Krieg und ab 1875 als Direktor der Akademie der Künste Berlin ist, nie vollendet.
Die Ausstellung zeigt auch neu entdeckte Zeichnungen Bernhard von Arnswalds, der von 1840 bis 1877 Kommandant der Wartburg und ab 1851 mit Scheffels Mutter Josephine befreundet ist. Gezeigt wird auch seine einzige erhaltene Komposition von 1851, ein Lied mit drei Strophen für Gesang und Piano Forte, das Marie Scheffel und den Bergleuten von Manebach bei Ilmenau gewidmet ist.
Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird auch Scheffels Originalmanuskript seines ersten Festspiels "Der Brautwillkomm auf Wartburg", das er anlässlich der Vermählung des Erbgroßherzogs Carl August mit Pauline von Sachsen-Weimar-Eisenach 1873 verfasst, und das der Weimarer Hofkapellmeister Franz Liszt (1811–1886) vertont. Nach 1873 folgen hunderte weiterer Festspiele und Festgedichte in Scheffels Werk. Seine Bilder werden dreidimensional, theatral, intermedial und performativ.


                             

Joseph Victor Scheffel, Wartburg, 1859, © MLO



Rahmenprogramm zur Ausstellung
Stadtmuseum Weimar


Samstag, 22. November 2014, 14 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung
Dr. Natalie Gutgesell


Freitag. 30. Januar 2015, 19 Uhr
Heinrich von Ofterdingen, der Minnesänger der Wartburg im Werk Hardenbergs (Novalis) und Scheffels
Prof. Dr. Ralf Liedtke (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
Dr. Natalie Gutgesell (Bad Staffelstein)


Samstag, 31. Januar 2015, 14 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung
Dr. Natalie Gutgesell