„Da hat Herr Scheffel etwas dazu gedichtet“

Joseph Victor von Scheffel als bildender Künstler

Museum für Literatur am Oberrhein Karlsruhe

15. November 2014 - 29.März 2015


Joseph Victor Scheffel zeichnet ab seinem sechsten Lebensjahr. Eine erste Anleitung erfolgt durch seinen Vater Philipp Jakob Scheffel (1789–1869), Direktor des badischen Büros der Rheinregulierungskommission und präziser Zeichner. Die Mutter Josephine Scheffel (1805–1865) führt einen literarisch-künstlerischen Salon im Haus der Familie in der Stephanienstraße, in dem viele Persönlichkeiten der Stadt verkehren, wie z.B. der Kriegsmaler Feodor Dietz (1812–1870) oder der Galeriedirektor, Landschaftsmaler und Stahlstecher Carl Ludwig Frommel (1789–1863), der der Schwester Marie Scheffel (1829–1857) Zeichenunterricht erteilt, vermutlich auch Joseph Victor.
Am Gymnasium ist der Karlsruher Portraitmaler Franz Epple (1791–1856) Scheffels Zeichenlehrer, der nach der Kopiermethode unterrichtet, der Wiederholung einzelner Augen oder Nasen vor dem Zeichnen eines Gesichts oder einer menschlichen Ganzfigur, in der Regel nach der Antike.
Daneben erhält Scheffel privaten Zeichenunterricht bei dem Tier- und Landschaftsmaler Rudolph Kuntz (1797–1848).

Nach dem Abitur 1843 möchte Joseph Victor Scheffel in München Kunst studieren und beginnt schließlich ein Jurastudium – ein Zugeständnis an seinen Vater. Täglich zeichnet Scheffel in München zusammen mit dem Landschaftsmaler und Stahlstecher Karl Friedrich Würthle (1820–1902), der ab den 1860er Jahren zu den führenden Hochgebirgsfotografen Österreichs gehören wird.

1852/53 reist Scheffel nach Italien. Erneut hat er den Wunsch, sich als Maler ausbilden zu lassen. In den Künstlerkolonien in Albano und Olevano führt er ein Leben als freier Künstler im Kreis der Deutschrömer. Künstlerische Anleitung erhält er durch den Oldenburger Landschafter Ernst Willers (1802–1880), der ihm die Technik der Ölstudie und die Freilichtmalerei näher bringt.

In Begleitung des Malers Anselm Feuerbach (1829–1880) fährt Scheffel 1855 nach Venedig. Dort kopiert Feuerbach für den badischen Regenten Friedrich Tizians "Assunta". In Castell Toblino malt Feuerbach Landschaften, während Scheffel an "Irene von Spilimberg" über die 1559 im Alter von 19 Jahren verstorbene Malschülerin Tizians schreibt. Der Roman verbleibt unvollendet nach dem Tod der Schwester Marie 1857.

Scheffels wichtigster Künstlerfreund ist zeitlebens Anton von Werner (1843–1915), der ab 1862 in Karlsruhe studiert. Am Beginn seiner Karriere als preußischer Kriegsmaler stehen seine einfühlsamen Illustrationen der Scheffel-Werke, die er auch Otto von Bismarck näher bringt, und bei deren Lektüre er den Kanzler zweimal zeichnet.

Ab 1873 lebt Scheffel in seiner Villa Seehalde in Radolfzell am Bodensee. 1876 erwirbt er die Halbinsel Mettnau, lässt das dortige Rebmannhaus zum Dichterschloss umbauen und erhält den erblichen Adel. Scheffel wird zur Popikone und zum Mythos, den er selbst mit gestaltet.


                                

Joseph Victor Scheffel, Fischerhütte auf Rügen, 1846, © MLO



Rahmenprogramm zur Ausstellung
Museum für Literatur am Oberrhein Karlsruhe


Samstag, 16. November 2014, 11 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung
Dr. Natalie Gutgesell


Dienstag, 09. Dezember 2014, 20 Uhr
Joseph Victor von Scheffel. Eine Korrektur
Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Museum für Literatur am Oberrhein Karlsruhe)


Donnerstag, 15. Januar 2015, 20 Uhr
Jahre froher Jugendzeit. Anton von Werner im Kreis der Karlsruher Künstlerschaft 1862-1867
Dr. Jutta Dresch (Badisches Landesmuseum Karlsruhe)


Sonntag, 15. Februar 2015, 11 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung
Dr. Natalie Gutgesell


Montag, 16. Februar 2015, 19 Uhr
Montagen und Identitätsverkleidung in Scheffels Werk
Dr. Natalie Gutgesell (Bad Staffelstein)


Donnerstag, 12. März 2015, 20 Uhr
Anselm Feuerbach: Leben und Werk
Dr. Peter Forster (Museum Wiesbaden)

Samstag, 21. März 2015, 19 Uhr
Novalis – Der Dichter des „Heinrich von Ofterdingen“ und das romantische Paradigma der Chemie
Prof. Dr. Ralf Liedtke (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)


Sonntag, 22. März 2015, 11 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung
Dr. Natalie Gutgesell