„Da hat Herr Scheffel etwas dazu gedichtet“

Joseph Victor von Scheffel als bildender Künstler

Museum Kloster Banz


11. Juli 2014 - 9. November 2014

         

Am 10. Juli 1859 trifft Joseph Victor Scheffel auf der Wartburg ein, um für den Roman zu recherchieren. Bernhard von Arnswald reist gerade zu einer Kur ab und kann ihn nicht empfangen. Daher fährt Scheffel mit dem Zug nach Lichtenfels, wo er am 11. Juli ankommt und sich zu Fuß nach Kloster Banz begibt. Dort verbringt er die nächsten zwei Monate. In Oberfranken fasziniert Scheffel die Tradition der Wallfahrten, die er auch in der dritten Strophe des Frankenliedes "Wanderfahrt" und in Zeichnungen festhält, wie auch den 2,10 m langen versteinerten Kopf des Ichthyosaurus im Museum Kloster Banz. Dieser inspirierte Scheffel bereits 1854 zu dem Gedicht "Der Ichthyosaurus" und 1859 zu der Erzählung "Bericht vom Meerdrachen", der Auffindung des Saurierschädels durch den fiktiven Mönch Nicodemus von Banth, eine Szene, die auch Anton von Werner in zwei Aquarellen darstellt. Diese werden 2014 in Banz erstmals ausgestellt. Weitere Zeichnungen Scheffels entstehen während eines Ausflugs nach Bamberg, wie z.B. eine Ansicht der Giechburg, die stilistisch an Goethes Aquarelle erinnert.

Skizzen im Notizbuch lassen eine dreitägige Wanderung Scheffels durch die fränkische Schweiz nachvollziehen, die er in "Exodus Cantorum, der Bamberger Domchorknaben Sängerfahrt" literarisch verarbeitet. Diese setzt auch Anton von Werner bildlich als Aquarell und als Wandbild in seiner Villa in der Potsdamer Straße in Berlin 1874 um.
Insgesamt neun der 1863 in der "Frau Aventiure" veröffentlichten Texte verfasst Joseph Victor Scheffel 1859 in Kloster Banz, darunter "Der Bericht vom Meerdrachen", "Waldpsalm", eine Ode an den Banzer Wald als Naturkathedrale, und "Der Bericht von den Mücken". Vier weitere in Banz geschriebene Texte veröffentlicht Scheffel nicht, die von einer persönlichen Fehde zwischen Nicodemus von Banth und einem Raubritter Wolf von der Steglitz handeln.
All diese Geschichten plant Scheffel für den Wartburg-Roman, in dessen Aufzeichnungen sich auch das erst 2013 entdeckte Urmanuskript des Frankenliedes befindet. Dieses wird für die Gedichtsammlung "Gaudeamus" von Werner mit zwei Illustrationen versehen.


              

  Joseph Victor Scheffel, Gügel und Giechburg, 1859, © MLO




Rahmenprogramm zur Ausstellung
Museum Kloster Banz


Mittwoch, 13. August 2014, 10 Uhr
Joseph Victor von Scheffel – Ein Popstar aus dem 19. Jahrhundert
Aktion für die jungen Besucher der Ausstellung zwischen 6 und 12 Jahren


Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19 Uhr
Museumsnacht: Alt und neu
Performances der Preisträger des Frankenlied-Wettbewerbs


Freitag, 24. Oktober 2014, 19 Uhr
Der Roman „Heinrich von Ofterdingen“ von Friedrich von Hardenberg (Novalis) als ein literarischer Impuls für Scheffel
Prof. Dr. Ralf Liedtke (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)


Samstag, 8. November 2014, 19 Uhr
Minnesänger, Kreuzritter und der Mönch von Banth
Finissage und Kuratorenführung durch die Ausstellung
Dr. Natalie Gutgesell (Bad Staffelstein)



In Zusammenarbeit mit dem CHW – Colloquium Historicum Wirsbergense